Harmonika International, Ausgabe 4/2000

2600 applaudierende Hände beim Jahreskonzert des Braunschweiger Akkordeon-Orchesters

Es war Sonntag, der 18. Juni 2000, als sich die 30 Musiker des Braunschweiger Akkordeon-Orchesters von morgendlichen Sonnenstrahlen begleitet auf den Weg zur Stadthalle machten. Schnell füllten sich die Künstlergarderoben mit Spielern und Instrumenten; Spannung lag in der Luft. Jeder bereitete sich auf den Auftritt im ,,Großen Saal“ vor. Inzwischen wurde die Tageskasse geöffnet und Menschenmengen strömten auf ihre Plätze.

Auch hinter der Bühne stieg die Nervosität: Es wurde durch die Guckschlitze gespäht und man konnte sich nicht satt sehen an der Vielzahl von Zuschauern im Saal. Es war kurz vor 11 Uhr, noch wenige Sekunden bis zum großen Moment, da das BAO die Bühne betreten würde. Und dann war es soweit: Die Türen rechts und links der Bühne öffneten sich und unter lang anhaltendem Beifall nahm das Orchester seinen Platz ein, aufmerksam von 1300 Augenpaaren beobachtet.

Ruhe kehrte ein. Erneuter Beifall als der Dirigent Udo Menkenhagen die Bühne betrat. Konzentrierte Stille, Spannung vor den ersten Tönen der „Bagatelle“ von Josef Rixner. Mit den Schlusstönen dieser Ouvertüre hatte sich dann auch das Lampenfieber gelegt.

Zeit- und Ortswechsel an die Themse des 18. Jahrhunderts. Hier wirkte der große Barockmeister G.F. Händel. Fünf Sätze aus seiner Wassermusik entführten das Publikum in die höfischen Feierzeremonien. Im dreistimmigen Elektroniensatz schmetterten die Hörner ihre Klänge in den Saal hinein.

Während für das Orchester nun eine Atempause folgte, konzentrierte sich die Solistin Uta Grashoff auf ihren Auftritt. Mit dem ersten Satz aus der Sonate Nr.2 von Wladislaw Solotarjow faszinierte sie die Hörer durch ihre Virtuosität.

Im letzten Stück vor der Pause trieben die sieben Schwaben ihr Unwesen im Auftrag von Adolf Götz. Seine Komposition hatte eine enorme Publikumswirkung, nicht zuletzt wegen des vielfältig eingesetzten Schlagwerkes, womit die beiden Schlagzeuger des Orchesters ausreichend beschäftigt waren. Sowohl Zuhörer als auch Musiker wurden nun in eine kurze Pause entlassen. Bei Sekt und Brez`n herrschte ein reges Treiben im Foyer der Stadthalle. Im Saal wurde indessen ein kleiner Bühnenumbau vorgenommen. Der Flügel wurde für einen weiteren Höhepunkt des Konzerts ins Bühnenbild integriert.

Nachdem die Zuhörer ihre Plätze wieder eingenommen hatten, kündigte Gerhild Werner in ihrer Moderation Gershwins ,,Rhapsody in Blue“ an, mit dem Pianisten Wolfgang Zill und Katharina Meier an der Klarinette. Udo Menkenhagen selbst hatte die Rhapsody für Akkordeonorchester bearbeitet, dabei den Klavierpart unverändert gelassen und sich bei der Orchestrierung sehr nah am Original orientiert. Diese Werktreue überzeugte auch skeptische Zuhörer von der Einsetzbarkeit des Akkordeons im klassischen Bereich. Beeindruckend, mit welcher Spielfreude Wolfgang Zill den anspruchsvollen Klavierpart interpretierte. Auf diesem Wege nochmals ein herzliches Dankeschön für seinen engagierten Beitrag zum Erfolg des Konzertes.

Spanisch kam das Orchester dem Publikum mit der gleichnamigen Fantasie in der Bearbeitung von Werner Niehues. Der rhythmische Anspruch des Stückes verlangte den Spielern einiges an Konzentration ab, jedoch machten sich hier konditionelle Schwächen bemerkbar.

Rettung konnte nur die langjährige Spielpraxis bringen. So fingen die Spieler aufkommende Unaufmerksamkeiten ab.

Ein vom Orchester immer gern gespielter Komponist durfte auch im Jahreskonzert 2000 nicht fehlen. Dieses Mal hatte man sich von Astor Piazzolla den ,,Libertango“ ausgesucht.

Den Abschluss des offiziellen Programms bildete ein Medley von Udo-Jürgens-Melodien wie ,,Aber bitte mit Sahne“, ,,Mit 66 Jahren und ,,Mercie Cherie“. Stehende Ovationen waren die Belohnung (des Publikums) für dieses gelungene Konzert. So kam das Orchester nicht umhin, noch einige Zugaben wie ,,Music“, ,,Gigolo/I Ain`t got nobody“ und ,,Rock around the Clock“ zu ge­ben.

Gegen 13.30 Uhr waren sich alle Aktiven darüber einig, dass das Experiment ,,Großer Saal“ geglückt war, denn mit 2600 applau­dierenden Händen war im Vorfeld nicht zu rechnen gewesen. Überwältigt von den Eindrücken des Vormittags ließen die Spie­ler den sonnigen Junitag mit einem gemeinsamen Essen im Re­staurant ,,Herrenkrug“ ausklingen. Einhellig war man der Meinung, das nächste Konzert wieder an einem Sonntagvormittag im großen Saal der Stadthalle stattfinden zu lassen, und zwar am 29. April 2001. 

 

Sarah Wottawa, Sonja Tonn, Heiko Tannen

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