Braunschweiger Zeitung, 27. Mai 2002

Prädikat "hervorragend" für Akkordeonspieler

Jahreskonzert in der Stadthalle: Braunschweiger Orchester bot anspruchsvolles und farbiges Programm

Der Kleine Saal der Stadthalle stieß an seine Kapazitätsgrenzen. Und so findet das Jahreskonzert des Braunschweiger Akkordeon-Orchesters seit zwei Jahren im Großen Saal statt. Auch gestern kamen zur Matinee wieder rund 1300 Liebhaber anspruchsvoller Akkordeonmusik - darunter der Landtagsabgeordnete Klaus-Peter Bachmann (SPD), der CDU-Ratsherr Milo von Bismarck und Museumsdirektor Gerd Biegel, der auch Geburtstag hatte.

Seit 14 Jahren leitet der Absolvent des Hohner-Konservatoriums Trossingen, Udo Menkenhagen, das Akkordeon-Orchester und hat den Klangkörper inzwischen zu einer homogenen Einheit verschweißt, die auch auf internationaler Ebene bestehen kann: Beim 7. Internationalen Akkordeon-Festival in Innsbruck 2001 belegte das Orchester unter 10.000 Musikern aus 15 Ländern in der "Höchststufe" mit dem Prädikat "hervorragend" den fünften Platz.

Dieser Erfolg und der wachsende Bekanntheitsgrad des Großensembles hat längst gezeigt, dass Akkordeonmusik den Vergleich mit den herkömmlich besetzten klassischen Orchestern nicht scheuen muss. Die beschwingte "Ouvertüre zu Candide" (Leonhard Bernstein) dürfte zum Auftakt für Biegel ein würdiges Geburtstagsständchen gewesen sein. Umfangreich in Rhythmen und Temperamenten war die zehnsätzige Ballett-Suite "Die Komödianten" (op. 33) von Dimitri Kabalewski, und klangfarbensatt die "Keniade" von Fritz Dobler, der die Liebesspiele der Hippos im "Valse lento" behäbig, nicht ohne Humor, beschreibt, und das viersätzige Werk mit dem "Meeting der Massai-Krieger" moderat ausklingen lässt.

Temperamentvoll eröffnete nach der Pause das - wie gewohnt präzise agierende Orchester - mit den spanischen Impressionen der "Rhapsodia andalusia" von Adolf Götz, um dann den "Kaiserwalzer" von Johann Strauß zu intonieren.

In der Humoreske "Der alte Brummbär" (Julius Fucik) übernahm das Elektronium den Part des Fagotts, wobei der Zuhörer in einzelnen Passagen des Konzerts, je nach Registereinstellung, auch Flöten-, Horn- oder Streichersätze zu hören glaubte.

Ein munteres Kabinettstück der Sparte Programmmusik war die Suite "Musik zu meiner Modellbahn" von Hans Rauch, der laut den aufschlussreichen Worten der Moderatorin Gerhild Werner ein Fan des Spielzeugs gewesen ist. Etwas Dixieland, ein kleiner Jazzwalzer, ein Blues und fröhliche Cajun-Musik waren die farbigen Zutagen für die abschließende "New Orleans Suite" von Ralf Schwarzien.

Wieder einmal ist es Menkenhagen und Orchester gelungen, das Publikum mit einem abwechslungsreichen und farbigen Programm bestens zu unterhalten. Langer herzlicher Beifall und als Zugabe u.a. der Radetzkymarsch zum Mitklatschen.

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