Braunschweiger Zeitung, 18.05.1998

Professionell, geschmackssicher, sensibel: Das Braunschweiger Akkordeon-Orchester gastierte im kleinen Saal der Stadthalle


Ein frischer musikalischer Abendwind

Fast ausverkauft war der kleine Saal der Stadthalle am Sonnabend beim Jahreskonzert des Braunschweiger Akkordeon-Orchesters, mit dem immer wieder die klangliche Vielfalt und Einatzmöglichkeiten des volkstümlichen Instruments gezeigt wird.

Es sind die geschmackssichere Auswahl der Kompositionen und die abwechslungsreiche Programmgestaltung, die die Konzerte des professionell und geschlossen klingenden Orchesters unter der Leitung von Udo Menkenhagen so anziehend machen. Die Ouvertüre aus der "Hochzeit des Figaro" KV 492 von Wolfgang Amadeus Mozart lies Menkenhagen im Allegro wie frischen Abendwind durch den Saal wehen, und das Orchester zeigte beim Einsatz von Paukenschlägen (Rolf Dannheim) und elektronischen Bässen (Susanne Garbe/Jens Kutilek) in der Akkordeonbearbeitung von Rudolf Würthner sinfonische Klangfülle.

Der Akkordeonkomponist Hans Boll hat von einer Balkanreise in friedliche Zeit tonmalerische "Reisebilder" mitgebracht, die das Orchester unter Menkenhagens gestalterischer Stabführung sensibel und mit Leuchtkraft auch im Pianissimo zum Klingen brachte, wobei etliche Taktwechsel beachtet werden mussten.

Mit diesen "Reisebilder" will sich das Orchester am kommenden Wochenende beim Akkordeonfestival in Innsbruck unter 90 Ensembles der "Oberstufenklasse" erfolgreich beteiligen, teilte die Programm-Moderatorin Gerhild Werner mit.

Von "L'Arlesienne" von Georges Bizet (Bearbeitung Curt Herold) war zumindest der vierte Satz "Farandole", nach dem man in die Pause ging, bekannt. Mindestens so gut bekannt war hernach auch der "Florentiner Marsch" von Julius Fucik, op. 214 (Bearbeitung Bruno Hartmann).

Als Hommage an seinen Großvater hat der argentinische Bandoneonspieler und Komponist progressiver Tangomusik, Astor Piazzolla, "Adios Nonino" geschrieben, dessen mal positiv-lebendige, mal melancholische Seiten das Orchester in der Bearbeitung von Ralf Schwarzien eindrucksvoll herausarbeitete.

Schon fast ein Welthit der Tanzmusik ist "Tea For Two" von Vincent Youmans (Bearbeitung Werner Heetfeld), das sich die Solistinnen Sonja Tonn und Uta Grashoff für ihr Duo ausgesucht hatten. Das mit Takt- und Tempowechseln arrangierte Stück begeisterte so, dass die Musikerinnen noch eine Virtuosenminiatur als Zugabe bringen mussten. Der schnelle Walzer "Belle of the Ball" von Leroy Anderson in der Bearbeitung von Renato Bui war dem Publikum sicher bekannter als die Melodien des Musica.Medleys "A Chorus Line" von Marvin Hamlish, das sie zum Abschluss des Konzertes zwischen Mozart und Musical spielten. Langer Beifall und Zugaben.

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